Stellungnahme von LILA IN KÖLN zu den Übergriffen in der Silvesternacht

 
 

LILA IN KÖLN ist ein interkultureller Zusammenschluss von Kölner feministischen und autonomen Frauenprojekten, die sich aus der Frauenbewegung entwickelt haben und seit über 30 Jahren engagiert und professionell gegen Gewalt an Frauen und Mädchen arbeiten. Wir verurteilen die sexuelle Gewalt bzw. die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht aufsSchärfste und solidarisieren uns mit den Betroffenen! Gerade die große Anzahl an Belästigungenauf so überschaubarem Raum und quasi unter den Augen von Polizei und Überwachungskameras – das ist es, was vielen Menschen jetzt Angst macht und sie im Hinblick auf ihr künftiges Verhaltenim öffentlichen Raum stark verunsichert .Leider ist sexualisierte Gewalt im Kontext von Massenveranstaltungen keine Seltenheit. Weltweit und in Deutschland erleben Frauen und Mädchen Gewalt durch Männer. Sie ist international – z.T. wird sie offen aus agiert, z.T. findet sie etwas verdeckter und nicht so offensichtlich statt, es herrschen unterschiedliche Frauenbilder und die Gewalt wird unterschiedlich verfolgt bzw. bestraft.

Begrabscht zu werden, grenzüberschreitende Anmache, verbale Gewalt bei abgelehnten Flirts u.v.m.sind aber Übergriffe, die Frauen und Mädchen in ihrem Alltag immer wieder erleben und in der Regel nicht zur Anzeige bringen. Frauen leben auch in unserer Gesellschaft immer noch mit dem Risiko, ungewollt angefasst oder vergewaltigt zu werden (Studie der Europäischen Agentur für Menschenrechte: https://fra.europa.eu/ sites/ default/ files/ fra-2014 – vaw-survey-factsheet_de.pdf, 2014).

Wir begrüßen sehr, dass die Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof nicht – wie so häufig in der Vergangenheit – bagatellisiert, sondern gesellschaftlich ernst genommen und verurteilt werden. Das ermutigt die Frauen dazu, Gewalt an Frauen und Mädchen, unabhängig davon, von wem und an welchem Ort sie ausgeübt wird! Aktuell besagt der §177 StGB Anzeige zu erstatten und die Fälle damit öffentlich zu machen. Um diese Übergriffe gesellschaftlich und strafrechtlich richtig einzuordnen, braucht es ein klares politisches Statement gegen jedwede Form von (Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) immer noch, dass es für eine Verurteilung nicht ausreicht, wenn das Opfer ausdrücklich klar gemacht hat, dass es die sexuelle Handlung nicht möchte (z.B. durch Nein-Sagen oder Weinen). Es muss ein weiteres Nötigungsmittel, d.h. Gewalt oder die Androhung von Gewalt durch den Täter vorliegen. Gerade deshalb sollte nun auch die längst überfällige Reformierung dieses Paragraphen mit Nachdruck vorangebracht werden. Der aktuell vorliegende Entwurf geht leider immer noch nicht weit genug.
Wir lehnen eine Instrumentalisierung der sexualisierten Übergriffe (und damit auch der Opfer) in der Neujahrsnacht für rassistische Propaganda mit Entschiedenheit ab! Dies ist sowohl für die betroffenen Frauen als auch für die dringend nötige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Sexismus höchst kontraproduktiv. Aus unserer langjährigen Beratungspraxis wissen wir, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen unabhängig von Nationalität, Religion oder Schichtzugehörigkeit etc. stattfindet. Gewalt gegen Frauen wird sowohl durch Fremdtäter im öffentlichen Raum als auch – in weit mehr als 2/3 aller Fälle – im sozialen Nahbereich ausgeübt; hier durch Männer, die der Betroffenen bekannt sind. Die Verantwortung für die Gewalt liegt allein beim Täter!

Wir brauchen Verhaltensregeln für Männer und nicht für Frauen!Es darf nicht bei reiner Empörung bleiben, wenn sich für Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft langfristig etwas verbessern soll! In der Regel leisten wir uns, die alltägliche Gewalt weitgehend zu ignorieren. So gibt es bisher weder qualitativ noch quantitativ angemessene Berichterstattung noch eine Mehrheit in der Gesellschaft, die sich seriös mit dem Thema auseinandersetzt.

LILA IN KÖLN fordert:

Eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und eine Verurteilung der Täter.

Die Ermutigung von Frauen und Mädchen, sexuelle Übergriffe auch künftig laut anzuprangern und anzuzeigen.

Eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Den dringenden Ausbau von Präventionsangeboten in der Jungen – und Mädchenarbeit.

Die Regelfinanzierung der Anlaufstellen für betroffene und von Gewalt bedrohte Mädchenund Frauen.

Eine bedarfsgerechte, von Einzelfall unabhängige und abgesicherte Finanzierung derMädchen – und Frauenhäuser

Eine Verurteilung sexistischer Werbung, die falsche Frauenbilder vermittelt und geradezuzu Übergriffen ermutigt, indem sie Mädchen und Frauen objektiviert und sexualisiert.

Die bessere Umsetzung der bestehenden Gesetze und eine Weiterentwicklung dort, wo es Lücken gibt(z.B. §177 StGB).

Die Ratifizierung der Istanbul Konvention –das ist das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie ist einvölkerrechtlicher Vertrag, der verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen schafft. Die Konvention trat am 1. August 2014 in Kraft und wurde bis heute von Deutschland nicht ratifiziert.

LilaStellungnahmeSilvester15_16 PDF (199 KB)  Stand: 12.1.2016

RECLAIM THE NIGHT 2015

Köln, 25. November 2015

Wir bedanken uns bei den über 300 Frauen* und Mädchen*, die dieses Jahr am Protestmarsch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen teilgenommen haben. Wir waren wieder bunt, laut & sichtbar.
Start war am Bahnhofsvorplatz mit einem Redebeitrag von agisra e.V. zur Situation von geflüchteten Frauen, für geschützte Unterkünfte für Frauen & Mädchen! Es folgte eine Tanzaktion von Maisha Moves. Dann ging es musikalisch begleitet von den Rhythms of Resistance Köln zum Neumarkt. Dort wurde ein Grußwort von Pinkstinks verlesen. Abschluss war gegen 20h am Rudolfplatz mit weiteren Redebeiträgen (autonome Frauenhäuser Köln für ein drittes Frauenhaus und den KalkPost Unterstützer*innen zu dem Prozess wegen Polizeigewalt gegen ein Frau). Abgerundet von einer tolle musikalische Darbietung vom Frauenmusikclub Köln e.V.
Danke auch an die Frauen*, die für den gemütlich Ausklang im AZ gesorgt haben.
(*Das Gendersternchen soll anzeigen, dass es sich um soziale Konstruktionen handelt und nicht um unveränderliche “biologische” Wahrheiten).

8. März 2015 – Internationaler Frauentag

LILA IN KÖLN hat am Internationalen Frauentag zu der Veranstaltung“Wem gehört mein Körper? Frauen, Körperlichkeit & Selbstbestimmung”
ins Bürgerhaus MüTZe in Köln-Mülheim eingeladen. Rund 100 Besucherinnen kamen, um interessante Vorträge zu hören, sich am Podiumsgespräch und den Workshops zu beteiligen oder einen Film (Vulva 3.0) zu gucken. Wir bedanken uns bei den Referentinnen Seyran Ateş, Susan Bagdach, Louisa Voßen und Kimberley Natoli sowie bei der Moderatorin Sina Vogt.

Diese Veranstaltung wurde unterstützt von:

Nikolaus-Gülich-Fonds des Bündnis 90 / Die Grünen Köln

NEIN ! zu „PICK-UP-ARTISTS“

*Unterschriftenliste*Unterschriftenliste*Unterschriftenliste*
KÖLN SAGT „NEIN“ ZU JULIEN BLANC UND ANDEREN „PICK-UP-ARTISTS“

Am Freitag 06.03.2015 fand im Historischen Rathaus der traditionelle Empfang des Oberbürgermeisters zum Internationalen Frauentag statt
Das Thema war dieses Jahr „Frauen… von Rollenbildern, Vorbildern, Selbstbildern“. Wir haben diese Veranstaltung zum Anlass genommen, Herrn Oberbürgermeister Roters eine Sammlung von über 400 Unterschriften zu übergeben. Es geht um die sogenannten „Pick-Up-Artists“, die weltweit Seminare abhalten, in denen Männern beigebracht wird, wie sie Frauen aufreißen und abschleppen können. In entsprechenden Foren tauschen sich Tausende über ihre Erfolge aus. Die Message lautet: Frauen sind Objekte, die es zu manipulieren und auszunutzen gilt – und sexuelle Gewalt ist dabei legitim.Der Amerikaner Julien Blanc ist wegen seiner besonders sexistischen und gewaltverherrlichenden Methoden derzeit in allen Medien. Nach globalen Protesten sprachen bereits mehrere Länder (darunter Dänemark, Großbritannien, Australien, Japan, Brasilien, Kanada) Einreiseverbote gegen Blanc und seine Kollegen aus. Auch in Deutschland laufen verschiedene Aktivitäten – darunter Online-Petitionen – gegen RSD und Blanc. In mehreren deutschen Städten (darunter München, Hamburg, Berlin, Frankfurt), in denen RSD bereits Seminare geplant hat, gibt es aktuell Diskussionen in den Stadträten, um diese zu verhindern.
Hier finden ihr den Begleitbrief an Herrn Oberbürgermeister Roters, in dem wir ihn an die bundesweit einzigartige Resolution „Keine Toleranz für Gewalt an Frauen“ erinnern, die am 16.11.2000 verabschiedet wurde. Einstimmig hat der Rat damals dem parteiübergreifenden Antrag von 33 Ratsfrauen zugestimmt. Die Resolution sollte helfen, in Köln ein Klima zu schaffen, das keinen Platz für Gewalt an Frauen und Mädchen bietet.

Wir fordern den Rat der Stadt Köln auf, sich eindeutig zu positionieren und „Pick-up-Artists“ keinen Raum zu geben. KÖLN SAGT „NEIN“ zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen!

Protestmarsch 25.11.2014

Protestmarsch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen 2014

Etwa 400 Frauen und Mädchen sind auch dieses Jahr am 25.11. wieder laut und bunt am Protest-marsch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen dabei gewesen. Am Bahnhofsvorplatz gab es zum Auftakt Hip-Hop von der Kölner Mädchenband „One Love“ und einen Redebeitrag von Prof. Maria Mies zu den soge- nannten „PICK-UP-ARTISTS“. Bei der hier gestarteten Unterschriftenliste – KÖLN SAGT „NEIN“ ZU JULIEN BLANC UND ANDEREN „PICK-UP-ARTISTS“ haben wir noch am Abend fast 200 Unterschriften gesammelt. Musikalisch unterstützt von „rhythms of resistance Köln“ ging es dann laut durch die Innenstadt zum Rudolfplatz zur Abschlusskundgebung.

Fotos: Cherylyn

8. MÄRZ – Internationaler Frauentag 2014

Internationaler Frauentag 2014

Mit rund 100 Frauen haben wir den
Internationalen Frauentag 2014
in der MüTZe gefeiert. Nach dem tollen Film „TÖCHTER DES AUFBRUCHS“ von Uli Bez,
gab es Musik und Tanz mit DJane Sandra.
Wir freuen uns über die super Stimmung,
über die vielen Frauen, die gekommen sind –
eine gelungene Veranstaltung.
(Infos zum Film)

14.02.2014

One Billion Rising

Am Freitag, 14.2.2014 tanzten rund 400 Frauen und Mädchen, Männer und Jungen trotz starkem Regen auf dem Kölner Rudolfplatz um gemeinsam Gerechtigkeit in Bezug auf Geschlecht, wirtschaftliche Gleichstellung, Rassenzugehörigkeit und Umwelt zu fordern
(siehe dazu auch www.onebillionrising.org ).
Neben einem Grußwort der Stadt Köln vertreten durch die Bürgermeisterin Angela Spizig – gab es kurze Redebeiträge von Dr. Monika Hauser von medica mondiale e.V., Eva Pohl vom Arbeitskreis Kölner Frauenvereinigungen (AKF) und Frauke Mahr von der LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.
Im Mittelpunkt stand aber der gemeinsame Tanz zu „Break the Chain“ und „Amazon Women Rise“, den Hymnen des OBR.
Fotos und alle aktuellen Infos unter www.onebillionrising-koeln.de

Ausstellung über Selbstbewußtsein und Gewalt

Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen und Du


 

Vom 22.11. – 1.12.2013 holte LILA IN KÖLN die Ausstellung
„DIE HÄLFTE DES HIMMELS“ nach Köln. 99 Frauenportraits, 99 Lebensperspektiven, 99 Interviews auf Audio-Guides und einem Spiegel.
Ausstellungseröffnung war am 22.11.2013 in der Alten Feuerwache.
Es gab ein umfangreiches Begleitprogramm. Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Veranstaltungen finden sie hier.

25.11.2013: Wir fordern die Nacht zurück!

PROTESTMARSCH  zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

 

Dieses Jahr zogen 200 Frauen und Mädchen bereits zum 6. Mal laut und bunt vom Friesenplatz durch die Kölner Innenstadt bis zum Zülpicherplatz. Krikela,“Rhythms of resistance Köln“ sowie die Frauenband EINFACH SO! unterstützten unser Anliegen mit Sambarhythmen und selbstgetexteten Liedern. In Redebeiträgen wurden verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen angeprangert und Forderungen formuliert.

Internationaler Frauentag 2013

Sonntag, 10.03.2013:
„Lecker essen mit Silberzahn & Bubalo – Brunch und Matinee zum Internationalen Frauentag“

Das Bürgerhaus MüTZe in Köln-Mülheim war voller Frauen, die nach einem leckeren Brunch gemeinsam das Kulturprogramm genossen. Im Rahmen der Open Stage gab es ganz unterschiedliche, tolle Beiträge von mutigen Frauen, wie Irmgard Hesse (Lieder von Gila Antara), „Susi und Strolchi“ (Lieder mit Akkordeon und Gitarre), Sandra Kokic (Künstlerin aus Wuppertal, Monolog von Eve Ensler), Göttin Gala – poetisches Musik-Kabarett, Krikela – feminist poetry folk punk aus Köln und eine junge Frau mit einem türkischen Lied.

Simone Silberzahn und Melitta Bubalo, die im Anschluss als „Silberzahn & Bubalo“ mit einem speziell für uns geschriebenen Programm auftraten, begeisterten mit ihrem lebendigen und eindrucksvollen Chansontheater (www.chansontheater.de).